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Die ersten Schritte, in der richtigen Reihenfolge

Puffer, teure Schulden, Säule 3a, dann breit investieren — warum diese Reihenfolge zählt und was in der Schweiz dabei anders ist.

· 6 Min. Lesezeit

Die meisten Anleitungen zum Investieren fangen bei der Frage an, welchen ETF man kaufen soll. Das ist der dritte Schritt, nicht der erste. Wer ihn zuerst macht, verkauft in der ersten schlechten Phase wieder — nicht weil die Anlage falsch war, sondern weil das Geld gebraucht wird.

Diese Reihenfolge hat sich in der Schweiz bewährt. Sie ist nicht spektakulär, aber sie hält.

1. Ein Puffer, den du nicht anlegst

Bevor irgendetwas an die Börse geht, gehören drei bis sechs Monatsausgaben auf ein normales Konto. Nicht in Aktien, nicht in einen Fonds, nicht in die Säule 3a — auf ein Konto, von dem du morgen Geld abheben kannst.

Der Puffer bringt keine Rendite. Er bringt etwas anderes: Er sorgt dafür, dass eine kaputte Waschmaschine oder drei Monate ohne Job dich nicht zwingen, ausgerechnet dann Anteile zu verkaufen, wenn die Kurse unten sind. Das ist kein theoretisches Risiko. Es ist der häufigste Grund, warum Leute mit Aktien Geld verlieren.

2. Teure Schulden zuerst

Ein Konsumkredit oder ein überzogener Kreditkartensaldo kostet in der Schweiz schnell zehn Prozent im Jahr oder mehr. Eine Anlage, die das sicher schlägt, gibt es nicht. Schulden zu tilgen ist deshalb keine Alternative zum Investieren — es ist eine Anlage mit garantierter Rendite in Höhe des Zinssatzes.

Die Hypothek auf dem Eigenheim ist ein anderer Fall: Die Zinsen sind tief, und die Schweizer Steuerregeln behandeln sie anders. Diese Frage gehört nicht in diesen Abschnitt.

3. Die Säule 3a, wenn du Steuern zahlst

Erst jetzt kommt die dritte Säule ins Spiel — und sie ist in der Schweiz der naheliegendste erste Schritt, weil sie zwei Dinge auf einmal tut: Sie legt Geld an und senkt deine Steuerrechnung im selben Jahr.

Der Abzug wirkt über deinen Grenzsteuersatz, also den Satz auf dem letzten verdienten Franken. Wer viel verdient und in einer Gemeinde mit hohem Steuerfuss wohnt, spart pro einbezahltem Franken deutlich mehr als jemand mit kleinem Einkommen.

WasWert 2026
Maximum mit Pensionskasse7'258 Franken pro Jahr
Maximum ohne Pensionskasse20 % des Erwerbseinkommens, höchstens 36'288 Franken
Verfügbar abfünf Jahre vor dem ordentlichen Rentenalter

Zwei Dinge, die oft übersehen werden. Erstens: Ein 3a-Konto ist keine Anlage, sondern ein Sparkonto mit Steuerabzug. Wer dreissig Jahre Zeit hat, lässt damit sehr viel liegen — eine Wertschriftenlösung mit hohem Aktienanteil ist über diesen Zeitraum in der Regel die passendere Wahl. Zweitens: Bei der Auszahlung fällt eine einmalige Kapitalbezugssteuer an. Sie ist progressiv, weshalb sich mehrere Konten lohnen können, die man in verschiedenen Jahren bezieht.

Wie viel das in deinem Fall ausmacht, rechnet der Säule-3a-Rechner aus — inklusive dem Vergleich mit einem freien Depot.

4. Erst dann das freie Depot

Wer Puffer, Schulden und 3a geregelt hat, kann anfangen, breit und langweilig zu investieren. Für die allermeisten heisst das: ein weltweit gestreuter, kostengünstiger Indexfonds, monatlich oder quartalsweise gekauft, und dann dreissig Jahre in Ruhe gelassen.

Zwei Schweizer Besonderheiten sind dabei wichtig:

  • Kursgewinne sind für Privatanleger steuerfrei. Das ist im internationalen Vergleich ungewöhnlich und ein echter Vorteil.
  • Ausschüttungen sind es nicht. Dividenden und Zinsen zählen zum steuerbaren Einkommen und müssen im Wertschriftenverzeichnis deklariert werden.

Daraus folgt nicht automatisch, dass thesaurierende Fonds besser sind — bei ausländischen Fonds wird der thesaurierte Ertrag in der Schweiz trotzdem besteuert. Es folgt aber, dass die Steuerfrage zur Anlageentscheidung gehört und nicht erst im März auftaucht.

5. Messen, aber richtig

Nach dem ersten Jahr kommt die Frage, wie es gelaufen ist. Die Antwort ist weniger eindeutig, als sie klingt: Es gibt zwei Renditen, beide sind korrekt, und sie sagen Verschiedenes.

Die zeitgewichtete Rendite rechnet deine Einzahlungen heraus. Sie beantwortet: Wie gut waren die Anlagen? Nur diese Zahl darfst du mit einem Index vergleichen, denn ein Index hat auch keine Einzahlungen.

Die geldgewichtete Rendite zählt das Timing mit. Sie beantwortet: Was hat mein Geld tatsächlich verdient?

Wenn beide auseinanderlaufen, ist genau diese Lücke die Information — sie sagt, ob dein Timing geholfen oder gekostet hat. Der Rendite-Rechner zeigt beide nebeneinander.

Die Reihenfolge in einem Satz

Puffer, dann teure Schulden, dann Säule 3a, dann breit investieren — und erst danach über einzelne Titel nachdenken. Wer bei Schritt vier anfängt, macht nichts Verbotenes. Er hat nur kein Fundament unter der Anlage.

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