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Zwölf Fehler im Wertschriftenverzeichnis — jeder einmal gemessen

Aus dem Fehlerregister dieses Projekts: zwölf Fehler, die beim Ausfüllen von Hand genauso passieren, jeder mit der Zahl, an der er aufgefallen ist.

· 9 Min. Lesezeit

Dieses Werkzeug führt seit dem ersten Tag ein Register jedes Fehlers, der ihm unterlaufen ist — mit der Messung, an der er aufgefallen ist. Die meisten Einträge sind Programmierfehler und für niemanden ausserhalb interessant.

Ein Teil ist es aber sehr wohl. Denn dieselben Fehler macht ein Mensch, der sein Wertschriftenverzeichnis von Hand ausfüllt — nur merkt er es nicht, weil niemand nachrechnet. Zwölf davon stehen hier, jeder mit dem Beispiel, an dem er sich gezeigt hat.

Alle Zahlen sind gemessen, keine ist erfunden. Sie stammen aus echten Bankauszügen, die gegen die Totale der Bank geprüft wurden. Wo eine Zahl fehlt, steht keine.

Die teure Richtung ist «zu wenig»

Bevor es losgeht, die Regel, nach der diese Liste sortiert ist: Zu wenig Vermögen fällt bei der Veranlagung auf und kostet eine Nachfrage. Zu viel zahlst du einfach. Acht der zwölf Fehler unten gehen in die Richtung «zu wenig». Es sind die, die man nicht sieht — was fehlt, fällt nicht auf.

1. Die Dividende eines Titels, den du unterjährig verkauft hast

Wer im März kauft, im Juni die Dividende bekommt und im September verkauft, hat am 31. Dezember nichts mehr im Depot — der Titel taucht in keiner Bestandesliste auf. Seine Dividende ist trotzdem steuerbarer Ertrag.

An einem geprüften Auszug:

Bruttoertrag des Jahres, gesamt                416.82
davon auf Titeln, die Ende Jahr noch da waren  312.62
auf Titeln, die Ende Jahr weg waren            104.20   ← fehlte

Ein Viertel des steuerbaren Ertrags. Steuerbar ist der Zufluss im Jahr, nicht der Besitz am Stichtag; die beiden haben nichts miteinander zu tun. Und die Verrechnungssteuer auf diesen Zahlungen ist Geld, das nicht zurückgefordert wird.

2. Der Kauf zwischen Weihnachten und Neujahr

Ein Kauf gehört erst mit der Valuta zum Bestand, nicht mit dem Buchungstag. Wer zwischen dem 29. und 31. Dezember kauft, hat fast immer eine Valuta im Januar — die Stücke liegen am Stichtag noch nicht im Depot.

Buchung     Valuta       Menge     Stand
2025-10-24  2025-10-27  0.6510   25.0810   ← die Zahl der Bank
2025-12-31  2026-01-02  2.0000
2025-12-31  2026-01-02  3.0000
2025-12-31  2026-01-02  0.0970   30.1780   ← so gezählt

Die Differenz von 5.097 Stück zu 154.56 CHF ergibt 787.79 CHF zu viel Vermögen. Die Abweichung zum Bankauszug betrug 787.76 — drei Rappen Rundung.

Dasselbe gilt für Kontostände: Eine Belastung, die am 31. Dezember gebucht und am 2. Januar valutiert wird, gehört noch nicht vom Saldo des alten Jahres ab.

3. Die Abspaltung, die niemandem auffiel

Kapitalmassnahmen — Abspaltungen, Umtausche, Splits — verändern die Stückzahl und erzeugen neue Titel. Sie stehen im Auszug, aber nicht als Kauf.

StückWertje Stück
Bank: Honeywell25.08123'876.55154.56
Bank: Solstice Advanced Materials6.0000230.93
von Hand fortgeschrieben: Honeywell30.1784'664.31154.56

Der Kurs war richtig. Falsch war die Stückzahl — Honeywell hat Solstice abgespalten, und der abgespaltene Titel fehlte ganz. Zwei Fehler in einem: eine zu hohe Position und eine fehlende. Sie heben sich nicht auf, und beide sehen für sich genommen plausibel aus.

4. Der Nachfolger nach einem Umtausch, doppelt gezählt

Aus «Titelumtausch: 1 Akt. Barrick Mining (vormals Barrick Gold)» und 98 gehaltenen Stück folgen 98 Stück des Nachfolgers. Wer sie als zusätzliche Zeile einträgt, zählt sie doppelt — der Verkauf des Nachfolgers steht schon im selben Auszug.

Der Steuerwert sprang dadurch von 59'963 auf 63'562, während die Bank 61'911 führt. Zu viel statt zu wenig, aber genauso falsch.

Richtig ist: Was aus einer Kapitalmassnahme hervorgeht, ist der Anfangsbestand des Nachfolgers, keine zusätzliche Position.

5. Der alte Titel, nach dem Umtausch weiterdeklariert

Die Rückseite von Nummer 4. Nach einem Umtausch steht der alte Titel oft noch mit Steuerwert 0 in der amtlichen Kursliste, versehen mit dem Hinweis auf seinen Nachfolger. Wer für ihn trotzdem einen Kurs sucht und einträgt, deklariert dasselbe Vermögen zweimal — einmal unter dem alten Namen, einmal unter dem neuen.

Ein Steuerwert von 0 mit einer Kapitalmassnahme daneben heisst nicht «Wert unbekannt», sondern «hier gilt der Nachfolger».

6. Der Bestand, der vor dem Auszug schon da war

Eine Transaktionsaufstellung über ein Kalenderjahr kennt nur, was in diesem Jahr passiert ist. Ein Titel, den du 2023 gekauft hast und weiterhältst, kommt darin nicht vor — und fehlt im Verzeichnis, ohne dass irgendwo etwas steht.

Es gibt einen sicheren Hinweis darauf: Wird ein Titel verkauft, den der Auszug nie gekauft hat, ist die Aufstellung unvollständig.

NO0013219535   Verkauf 60 Stück, kein Kauf   →  -60

Ein negativer Zwischenstand ist der Beweis. Wer ihn wegwirft, verliert nicht nur diese Position, sondern den einzigen Hinweis darauf, dass weitere fehlen könnten — solche, die im Zeitraum gar nicht gehandelt wurden und deshalb nirgends auftauchen.

7. Zwei Auszüge, die sich überschneiden

Wer für ein Jahr zwei Auszüge hat — einen von Januar bis August, einen von Juni bis Dezember — gibt beide ab. Die drei überschneidenden Monate stehen dann doppelt, und jede Stückzahl daraus zählt zweimal.

Auszug A  Januar–August      8 Käufe
Auszug B  Juni–Dezember      7 Käufe
                             3 davon (Juni, Juli, August) doppelt

Bestand am 31.12.:  99 Stück
richtig wären:      78 Stück      ← 27 % zu viel Vermögen

Prüfbar ist es an den Zeiträumen auf dem Deckblatt, nicht an den Zahlen: Der Bestand sieht in beiden Fällen völlig plausibel aus.

8. Franken, Euro und Dollar in einer Summe

Eine nach Währung gegliederte Aufstellung führt je Konto einen eigenen Abschnitt. Die Beträge stehen dort in der Währung des Abschnitts. Wer sie untereinander schreibt und addiert, bekommt eine Zahl, die nichts bedeutet:

CHF    6 Zahlungen     403.77 CHF
EUR    2 Zahlungen     207.50 EUR
USD   16 Zahlungen     770.86 USD
              roh addiert  1'382.13

Diese 1'382.13 sind nicht ungenau. Sie sind bedeutungslos — und sie sehen genau so aus wie ein richtiger Betrag: dreistellig, an der Stelle, wo eine dreistellige Zahl hingehört.

9. Der fehlende Umrechnungskurs

Die Fortsetzung von Nummer 8, und die häufigere Falle: Es ist nicht der Wechselkurs, der fehlt, sondern die Frage danach. Ein Dollarbetrag ohne Umrechnung neben Frankenbeträgen zu stellen, ist derselbe Fehler wie ihn zu addieren — nur eine Zeile früher.

Fehlt zu einer Währung der Kurs, ist die richtige Antwort «dieser Wert fehlt», nicht der rohe Betrag. Ein Kurs von 1.00, weil keiner da war, ist kein Kurs: Er ist eine Behauptung, dass Dollar und Franken dasselbe sind.

Für die Steuererklärung gelten die Jahresendkurse der ESTV. Sie stehen in derselben Kursliste wie die Steuerwerte.

10. Kaufmännisch runden, nicht bankmässig

Aus 1.225 wird in der Schweiz 1.23. Wer mit einem Tabellenprogramm oder einer Programmiersprache rechnet, bekommt oft 1.22 — die verbreitete Vorgabe rundet die Hälfte auf die gerade Ziffer.

Auf einer einzelnen Zeile ist das ein Rappen. Über hundert Positionen und zwölf Dividendenzahlungen wird daraus eine Abweichung, die keiner Zeile zuzuordnen ist — und dann sucht man sie überall.

11. Der negative Bestand: drei Ursachen, nicht zwei

Wenn am Ende mehr verkauft als gekauft dasteht, gibt es drei Erklärungen, und sie führen zu drei verschiedenen Handlungen:

  1. Der Titel lag schon vor dem Auszug im Depot. Dann fehlen weitere Altbestände, und es braucht einen Auszug ab Depoteröffnung.
  2. Eine Kapitalmassnahme. Dann ist der Bestand über einen Umtausch oder eine Abspaltung hereingekommen (siehe Nummern 3 und 4).
  3. Ein echter Leerverkauf. Dann fehlt nichts — die Position ist negativ und gehört als Schuld in die Erklärung.

Wer nur die ersten beiden kennt, sucht im dritten Fall nach einem Auszug, den es nicht gibt, und hört danach auf zu suchen.

12. Nicht jede Position braucht einen Steuerwert

Ein Verzeichnis mit 24 Zeilen, von denen 13 einen amtlichen Steuerwert haben, sieht nach halber Arbeit aus. Sieben dieser Zeilen lagen am 31. Dezember aber gar nicht mehr im Depot — sie sind nur wegen ihres Ertrags dabei und brauchen keinen Steuerwert.

24 Positionen
  13  mit amtlichem Steuerwert
   4  Bestand vorhanden, aber nicht in der Kursliste   ← die echte Lücke
   7  nur Ertrag, am 31.12. nicht mehr im Depot        ← brauchen nichts

vermeintlich:  13 von 24 = 54 %
tatsächlich:   13 von 17 = 76 %

Der Unterschied ist nicht Kosmetik: Wer elf fehlende Kurse sucht, obwohl vier fehlen, hört nach dem fünften auf zu suchen — und findet die vier nicht.

Woher diese Liste kommt

Jeder Punkt steht im Fehlerregister dieses Projekts, mit Datum, Messung und einem Test, der verhindert, dass er zurückkommt. Nichts davon ist eine Vermutung darüber, was Menschen falsch machen könnten; es ist eine Liste dessen, was in echten Auszügen tatsächlich passiert ist.

Was hier bewusst fehlt: alles, was eine Aussage über Recht wäre. Ob eine im Ausland einbehaltene Quellensteuer über dem Abkommenssatz zurückzuholen ist und wie, hängt vom jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen ab. Diese Seite nennt keine Sätze und keine Fristen dazu — dafür ist die Steuerverwaltung zuständig, nicht ein Werkzeug.

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